Fuerteventura – Las Palmas, Gran Canaria (27.10.2014 – 01.11.2014)

Jetzt muss ich aber wirklich ein paar Tage zurückdenken, weil ich euch ja auch nichts vorenthalten möchte 😉

Wir haben am 27.10.2014 so gegen 8 Uhr morgens den Anker gelichtet und uns auf den Weg nach Fuerteventura begeben. Es lag eine ca. 6 stündige sehr schöne Segelfahrt vor uns. Wir haben uns ein köstliches Müsli zubereitet und eine Tasse Kaffee mit Milch für jeden und gefrühstückt, nachdem die Segel und der Autopilot richtig eingestellt waren.

In Fuerteventura haben wir uns die Marina in Gran Tarajal ausgesucht, weil diese doch schon recht weit im Süden von Fuerteventura liegt und weil wir gehört hatten, dass es dort ganz schön ist. Wir sind so gegen 14/15 Uhr bei relativ viel Wind angekommen, was das Anlegen im Hafen etwas ungemütlich gemacht hat. Der Marinero war nur bereit uns den Liegeplatz zu zeigen, ansonsten stand er da und schaute, dass wir mit dem hinten am Schiff aufgehängten Dinghy nicht den Wasser- und Stromkasten ummöllern.

Aber zum Glück kamen mir zwei Franzosen von einem anderen Segelschiff zur Hilfe und nahmen die Leinen an und befestigten sie am Steg. So ganz ohne Hilfe ist es doch eine ziemliche Flitzerei. Wir hatten eine Box aus Schwimmstegen zugewiesen bekommen. D.h., hinten legt man zum Steg hin an und an den schmaleren Stegen rechts und links fixiert man das Schiff. Leider waren die Stege rechts und links etwas zu kurz für unsere Sempre due, So dass wir doch eine ganze Weile und einige Leinen benötigten, um das Schiff gut fest zu machen. Hat aber alles gut geklappt und es war auch kein Problem, dauerte halt nur.

Danach ist Berthold mit den Papieren zur Capitanerie um uns anzumelden. Auf dem Rückweg traf er einen Italiener, der mit seiner Orana (das Vorgängermodell unserer Helia 44) einen  Steg weiter lag. Der erzählte ihm, dass man in der Cofradia de Pescadores (Bruderschaft der Fischer) ganz toll lecker und relativ preiswert Fisch essen könnte. Das Restaurant der Cofradia war direkt neben der Marina und grenzte an eine Lagerhalle der Pescadores direkt vor einem großen Parkplatz. Wir sind also erst einmal ein paar Schritte in die Stadt gegangen und auf dem Rückweg haben wir dort wirklich hervorragend Fisch gegessen. Er war köstlich zubereitet und der Preis stimmte auch. Alles sehr basic mit Papiertischdecken, die nach dem Essen in einer interessanten Falttechnikt zusammengefaltet werden, damit auch nichts auf dem Boden fällt und dann im Müll landen, neben Lagerhallen- und Parkplatzatmosphäre. Aber uns hat es sehr gut dort gefallen. Die Kellnerin war sehr nett und am Ende zählt ja, was auf dem Teller liegt.

Wir hatten ja vor uns ein paar Tage Fuerteventura anzusehen. Also habe ich am nächsten Tag die Waschmaschine eingeschaltet und mich auf  Schiff sauber machen, Auto mieten, Gegend anschauen, eingestellt, als Berthold mir sagte, dass er auf der Wetterkarte gesehen hat, dass für die übernächsten Tage starker Wind angesagt sei und dass es deshalb vielleicht besser ist, dass wir und ganz früh am nächsten Morgen auf den Weg nach Gran Canaria begeben.

Denn auch hier zwischen Inseln kann starker Wind, zumal die Richtung nicht so richtig gut für uns war, sehr unangenehm sein. Und das bei einem 12 Stunden Törn. Also sind wir am Nachmittag noch einmal in die Cofradia um köstlichen Fisch zu essen, haben im Hiperdino alles eingekauft, was wir für die nächsten Tage benötigen und sind früh ins Bett.

Um halb fünf waren wir dann wach und haben uns so leise wie möglich auf den Weg nach Gran Canaria begeben. Am Abend vorher hatten wir unsere Vertäuung schon so vorbereitet, dass wir die Leinen nur noch durchziehen mußten. Die komplette Strecke haben mit dem Motor zurück gelegt. Was einfach immer ein bißchen anstrengend ist, weil laut. Aber das Wetter war gut und die Wellen schräg von der Seite nicht allzu unangenehm. Wobei der Katamaran doch immer ganz schön stark vom Kurs abweicht, wenn der Wind von der Seite kommt. Dadurch, dass wir nur einen kurzen Kiel haben, ist das Schiff doch sehr seitenwindanfällig. Darauf muss man immer mal achten und den Kurs entsprechend korrigieren.

Nach ca. 10 Stunden ging plötzlich bei unserem Motor die Drehzahl ganz stark nach unten, wir dachten schon er fällt aus und Berthold hat schnell den zweiten Motor gestartet. Dann fing der Motor sich wieder, um kurz darauf noch einmal einzusacken. Das hat uns doch ganz schön Sorge gemacht, weil wir ja nicht so weit weg vom Hafen waren und weil man im Hafen zum sicher manövrieren schon beide Motoren braucht. Mit einem Motor geht es auch, aber es ist ungleich komplizierter. Also haben wir Herrn Krützkamp angerufen, der ja gerade in Lanzarote die Motoren gewartet hat. Vermutung: Wasser im Diesel oder Luft im System.

Berthold hing also über Kopf im Motorraum und kontrollierte ob evtl. Wasser im Diesel sein könnte. War aber nicht der Fall. Also haben wir den Motor wieder gestartet und siehe da, auf einmal lief er wieder rund. Mit etwas mulmigem Gefühl sind wir dann zwei Stunden später in der Marina in Las Palmas angekommen. Aber der Fehler ist nicht noch einmal aufgetreten und wir konnten tanken und zu unserem Liegeplatz fahren, auf dem wir bleiben, bis wir in die Karibik starten.

Die Katamarane werden in einem extra Hafenbecken direkt angrenzend an die Marina untergebracht. Und so wurden wir vor einer Betonmauer untergebracht. Nicht sooo schön, dieses extra Hafenbecken.

Als wir uns gerade mit aufräumen beschäftigt waren, klopfte es ans unser Boot und vier Männer standen vor dem Schiff. Ein Engländer der sehr gut deutsch konnte, stellte die Herren der Reihe nach vor. Ich bin Andy, der Skipper der anderen Helia hier schräg gegenüber, das ich Juck, der Eigner des Schiffes und die beiden jungen Männer heißen beide Victor, einer ist Crew und einer ist ein Freund den wir mit hierher genommen haben. Die vier waren wirklich eine witzige Zusammenstellung: Andy ist Engländer der in Frankreich wohnt und für Fountaine Pajot als Profiskipper arbeitet, Juck ist Amerikaner, der sich die Helia gekauft hat, alle Inneneinrichtung wie Polster, Lazybag etc per Container in die Karibik geschickt hat und jetzt mit Andy und einem der beiden Victors das Schiff zu den British Virgin Islands überführt, Victor, das Crewmitglied, der glaube ich alles auf der Welt nur positiv empfinden kann und Victor, der von Frankreich aus als zahlender Gast mit hierher nach Gran Canaria gesegelt, weil er hier bei der ARC-Organisation arbeitet.

Und wenn wir dann alle in Saint Lucia angekommen sind und die Feierlichkeiten und die Rally dort abgeschlossen sind, Victors Job also erst einmal beendet ist, fährt er 16 Monate auf einem Segelschiff mit bei der ARC World. Die ARC World Rally geht dann einmal rund um die Welt. Und nach 18 Monaten ist er dann wieder in Frankreich. Victor ist 24 Jahre alt und ein wirklich unglaublich netter und sympathischer junger Mann, der, wie uns seine drei Helia-Freunde erzählten, auf dem Weg von Frankreich nach Gran Canaria in jedem Hafen ein nettes Mädchen kennengelernt hat.

Juck der Eigner des Schiffes war ein eher ruhiger aber auch sehr sympathischer Typ. Berthold und ich haben uns gewundert, wie er mit der unglaublichen Power und zum Teil doch sehr derben Art des Supermachos Andy auf Wochen hinweg zurecht kommt. Bitte nicht falsch verstehen: Wir fanden Andy super witzig und sehr sympathisch. Aber er konnte einem immer mal dermaßen auf die Schulter hauen. Und weil er wohl seit Wochen nur mit den Jungs unterwegs war, hat er wohl ganz übersehen, dass ich kein kräftiger Mann bin und hat mir auch einmal ordentlich auf die Schulter gehauen. Victor (Crew) hat es die Sprache verschlagen.

Naja, wir haben die vier auf ein Glas Wein an Bord eingeladen, darüber haben sie sich sehr gefreut und es war wirklich lustig. So dass wir uns dann noch mit den Herren in einem Restaurant getroffen haben und wirklich Spaß hatten. Irgendwann war Andy in die Stadt verschwunden, so mir nichts dir nichts, aber die anderen kannten das schon. Und so kam es dann zu wirklich interessanten Gesprächen mit Juck und auch mit Victor (von der ARC).

Mein Schock kam als wir zurück zum Schiff kamen und ich sah, dass es ca. 2 m tiefer hinter der Mauer liegt und unsere Gangway eine steile Rampe geworden ist in der Zwischenzeit. Ich dachte, da komme ich nie und nimmer runter, ohne im Hafenwasser zu landen. Nach einigem Hin und Her und ernsthafen Überlegungen meinerseits einfach in ein Hotel zu gehen, habe ich mich dann auf allen Vieren auf die Schräge gewagt und es ja auch geschafft.

Nein – ihr braucht nicht zu lachen – es war NICHT lustig.

Am nächsten Tag ist Berthold mein Retter und Held dann zum Hafenmeister und hat gefragt, ob wir nicht den Platz noch wechseln können. Wir wissen ja, dass er Hafen schon ziemlich voll ist. Aber tatsächlich haben wir in dem gleichen Hafenbecken, aber an einem Schwimmsteg einen viel schöneren Liegeplatz bekommen.

Jetzt ist alles gut und wir können mit den Vorbereitungen für die Überfahrt beginnen. Es müssen noch ein paar Dinge erledigt werden. Der Kühlschrank – ihr erinnert euch – muß repariert werden, wir benötigen noch eine neue Leine für den Gennaker, die gelieferte ist zu kurz. Wir wollen durchgescheuerte Festmacherleinen ersetzen und so ergibt sich immer noch dies und das, das noch unbedingt vor der langen Fahrt gemacht werden muss. Die Liste wird irgendwie nicht kürzer. Und den Motor wollen wir auch noch einmal hier im Hafen länger laufen lassen um zu schauen, ob wieder alles gut ist und evtl doch nur Luft irgendwie in den Motor kam. Ansonsten muss die Volvo-Vertretung hier im Hafen danach sehen. Zum Glück ist das ja alles noch in der Garantiezeit.

Nachdem wir den Liegeplatz gewechselt hatten, haben wir das Meersalz vom Schiff gespült, und auch Wäsche waschen war mal wieder dran.

Später sind wir durch die Stadt und haben geschaut, wo sich das Hotel befindet in dem Michaela, Nicolas und Baby-Maria wohnen, wenn sie uns am 12. November besuchen kommen. Wir freuen und schon sehr auf die drei.

Aber jetzt am Montag kommen ja erst einmal Hagen und Josephine. Ich kann es kaum mehr abwarten und habe heute schon das Zimmer der beiden vorbereitet.

Neben allen Vorbereitungen für die Rally werden wir bestimmt auch Zeit haben und mit dem Auto ein bißchen die Insel erkunden können.

Dieser Beitrag wurde unter 07/2014 bis 05/2015, Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Fuerteventura – Las Palmas, Gran Canaria (27.10.2014 – 01.11.2014)

  1. Heidi schreibt:

    In der Cofradia haben wir auch schon sehr gut gegessen. Die Atmo ist aber wirklich zum Weglaufen… Hinterhof in Duisburg ist idyllisch dagegen.
    Lasst es Euch gut gehen mit Hagen und Josephine. Herzliche Grüße!

  2. Christina Blum schreibt:

    Ja da war ja wieder einiges los! Berthold, nicht nur daß Du einen Fisch filetieren kannst, nein, auch der holden Maid die Klippen ins sichere Schiff hast zu geholfen….und einen neuen Ankerplatz besorgt :-)! Du bist mein Held des Tages!!! Ihr erlebt ja wirklich viele spannende Geschichten. Das Fischlokal, das hätten wir auch gerne mit Euch genossen. Wir haben auch schon so wunderbar schlichte, entspannte Lokale auf Reisen gefunden und sie sind einfach nicht austauschbar. Die Menschen, das Essen, die Atmosphäre. Wir Beide senden Euch herzliche Grüße aus unserem windigen, frischen, stürmischen und wunderschön-herbstlichen Föckinghausen :-), Eure Christina, Roderich, Galgo und Kyrill (dem bei dem Wind die Ohren leicht im Winde flattern…zum piepen….)

  3. Holger Ruhnau schreibt:

    Bei so einer Steilvorlage muss man einfach einen Kommentar abgeben:
    Nein! Natürlich habe ich NICHT gelacht, als ich mir vorgestellt habe, wie du auf allen Vieren die Gangway runterkrabbelst. Du hast Recht – das ist NICHT lustig! Darüber macht man keine Späße!
    Du hättest ins Wasser fallen können und hattest noch nicht einmal Knieschoner dabei.
    Und warum sollte man nicht auch auf allen Vieren würdevoll und erhaben ein Schiff betreten bzw. bekrabbeln können?! Ich bin mir sicher – es gibt unzählige Piratenfilme, in denen die Helden der See, von Errol Flynn bis Johnny Depp, irgendwann mal eine Gangway runtergekrabbeln. Da ist nichts peinliches dran! Du hast dich schließlich bewußt fürs Segeln entschieden und nicht für eine Klettertour!
    ( Na gut – vielleicht hab ich ein bisschen gegrinst, aber nur ein bisschen! Danke für’s Kopfkino.)

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