Union Island, Chatham Bay – Mayreau, Saline Bay – Canouan, Charlestown Bay

Von der Tyrrel Bay aus sind wir zurück nach Union Island gefahren. Leider herrscht noch immer der „Northerly“ kräftig vor. Aber es sind ja nur knapp zwei Stunden bis Union Island. Dort wollen wir dieses Mal nicht in die Hauptstadt Clifton, sondern in eine in unserem nautischen Führer beschriebene Ankerbucht – Chatham Bay. Von dort aus kann man sich per Wassertaxi oder von der Betreiberin eines Strandrestaurants in die Stadt zum Einklarieren bringen lassen (so steht es im Reiseführer).

Aber – der Blog heißt ja die „abenteuerliche“ Reise der Sempre due. Also sollte auch dieser Kurztripp als kleine Abenteuer enden. Wir hatten also die Tyrrel Bay verlassen und waren schon ca eine Stunde unterwegs, gegen den Wind, sehr ungemütlich mit viel Welle von vorne. Irgendwann bin ich in den Salon und wollte mir, glaube ich, ein Obst abwaschen. Es kam nur noch ein Tropfen aus dem Wasserhahn.

Ups – warum funktioniert der Wasserhahn nicht mehr? Was kann das sein? Ich schaue, ob irgend ein Schalter aus Versehen umgelegt wurde. Nichts. Dann fällt mein Blick auf den Anzeiger des Wasserstandes unseres Wassertanks – LEER!! Wie konnte das sein? Der Wassertank war gut halb voll als wir losfuhren. Unser Wassermacher arbeitet hervorragend und produziert jeden Tag ganz tolles Wasser.

Und weil kurz vorher der Wassermacher auch noch gearbeitet hat, habe ich dann einen Blick in den Backbord-Motorraum geworfen, in dem sich unser Wassermacher befindet. Der Motorraum war bis zur Hälfte voller Wasser, das munter wie ein Springbrunnen durch die Vibration des Motors im Motorraum herumhüpfte.

Na prima. Wie konnte das passieren? Was ist da los? Erst einmal Backbordmotor aus. Dann haben wir die Bilgenpumpen eingeschaltet. Zum Glück legte nur eine davon begleitet von Alarmgepiepse los, nämlich die vom Backbordmotorraum. Das bedeutet, dass nicht auch noch sonst irgendwo in der Bilge Wasser ist. Trotzdem haben wir natürlich die komplette Backbordseite untersucht, alle Fußbodenplatten geöffnet. Nichts. Alles trocken. Zum Glück, wenigstens das.

Dann haben wir uns geärgert, dass wir den Stromspartipps eines Seglers gefolgt sind: Bilgenpumpen ausschalten und nur einmal am Tag kurz einschalten. Blödsinn. Das war mal absolut an der falschen Stelle gespart. Ab sofort bleiben die Pumpen an.

In der Zwischernzeit waren wir auch schon in der Chatham Bay angekommen. Dort haben wir uns dann erst einmal mit dem Ankermanöver beschäftigt, welches trotz vielen Windes gut geklappt hat. Es gibt in der Chatham Bay gute sandige Stellen in die sich der Anker gut eingraben kann.

Danach kümmern wir uns wieder um unser Wasserproblem. Die Bilgenpumpe hat das Wasser mittlerweile aus dem Motorraum gepumpt und wir waren wirklich ratlos woran es liegen konnte, dass der komplette Inhalt des Wassertanks im Motorraum gelandet ist. Ist ein Schlauch vom Wassermachersystem defekt? Wir haben alles abgesucht. Wir haben den Wassermacher eingeschaltet um Wasser zu prodzieren, um dann sehen zu können, wo das Wasser denn her kommt. Nichts passierte. Der Wassermacher arbeitet und macht Wasser und alles ist dicht.

Plötzlich kam Berthold auf die Idee, die Außendusche, die oberhalb der Motorabdeckung angebracht ist, deren Schlauch sich aber im Innenraum zum Motor befindet, heraus zu ziehen – und wir konnten es kaum glauben, direkt hinter dem Duschkopf war ein Riss im Duschschlauch. Braun verfärbt, als hätte sich der Schlauch an einer rostigen Schraube aufgeschlitzt. Das kann noch nicht lange so gewesen sein, weil wir die Außendusche ja in letzter Zeit nach dem Schwimmen im Salzwasser viel genutzt haben. Berthold hat also den Duschkopf abmontiert, das defekte Stück abgeschnitten und das Ende umgeknickt und mit einer Schlauchschelle fest abgebunden, so dass kein Wasser mehr auslaufen kann und wir werden dann in Saint Lucia schauen, ob wir ein passendes Teil finden.

Bleibt noch die Frage, wo ist die scharfe Stelle, die den Schlauch zerstört hat. Leider kann man vom Motorraum aus die Stelle an der sich der Duschschlauch befindet nicht so gut einsehen. Aber wir werden den Übeltäter schon noch finden.

Nachdem der Motorraum ausgepumpt war, befand sich noch Wasser in den Schläuchen, die von außen Frischluft in den Motorraum bringen. Diese hat Berthold an den tiefsten Stellen mit der Bohrmaschine angebohrt. Dann konnten wir den Motorraum austrocknen. Und den Wassermacher wieder einschalten. Zwei Stunden später war der Wassertank schon fast zu einem Viertel voll.

Nach diesem Schrecken haben wir uns an Land im pinkfarbenen Strandrestaurant von Vanessa zum Abendessen angemeldet. Berthold ist zwar zuerst an Bord geblieben, weil er bei dem Wind und mit laufendem Motor (wegen Wassermacher) nicht an Land gehen wollte. Also sind Hagen, Josephine und ich mit dem Dinghy an Land gefahren. An dem Tisch an dem wir saßen war dann aber so eine schöne Stimmung, dass wir Berthold angefunkt und ihn überredet doch auch an Land zu essen. Also holte Hagen ihn ab. Motor aus, Wassermacher aus.

Zur Belohnung für den aufregenden Tag gab es erst einmal einen prima Rum-Punsch als Sundowner. Danach noch ein Bierchen und dann köstliches karibisches Essen: 1 x Chicken, 2 x Fisch, 1 x Spareribs jeweils mit Kartoffeln, Reis und Salat und gebackenen Kochbananen. Und zum Nachtisch Bananenkuchen.

Na gut – die karibische Küche ist nicht besonders abwechslungsreich. Das stimmt schon. Aber das Essen ist schon ziemlich lecker.

Das Dinner wurde von einem Musiker begleitet, der so alle möglichen bekannten Songs und Reggaestücke nachspielte und sang. Es war wirklich eine schöne und fröhliche Stimmung. Mit an unserem Tisch saßen Vater und Sohn die gemeinsam die Welt umsegeln werden. Immer in Etappen, weil der Sohn immer mal wieder zurück muß um zu arbeiten. Er hat eine Absprache mit seinem Arbeitgeber, dass er dieses Projekt mit seinem Vater machen kann und immer mal wieder ein viertel bis ein halbes Jahr unterwegs sein kann. Wir hören so viele interessante Geschichten auf unserer Reise.

Als alle Gäste gegessen hatten kam Vanessa aus der Küche, ließ noch einen Tisch zur Seite rücken um eine Tanzfläche freizuräumen und fing an selbst zu singen und zu tanzen. Es wurde ein wirklich schöner Abend. Wir haben getanzt und die Anspannung des Tages war verflogen. Irgendwann wurde eine Limbostange angebracht und alle möglichen Gäste haben sich daran versucht irgendwie elegant unter der Stange hindurch zu kommen. Josephine und ich hatten viel Spaß dabei. Wir haben viel getanzt, was in dem hohen Sand wirklich sehr anstrengend ist.

Ich mußte immer wieder an die Asterix und Obelix Geschichten denken, bei denen nach dem Abenteuer immer gefeiert wird und der Barde singt. Nur dass unser Barde nicht gefesselt am Baum hing.

Am nächsten Tag haben wir in der gleichen Bucht umgeankert, in der Hoffnung dass der neue Platz etwas Wind geschützter ist. Das war leider nicht so. Ab er wir mußten ja noch in die Hauptstadt Clifton um einzuklarieren.

Am Abend zuvor hatten wir mit Vanessa ausgemacht, dass sie uns in die Stadt bringt oder bringen läßt, damit wir uns wieder einklarieren können. Hagen und ich wollten das erledigen. Berthold brachte uns mit dem Dinghy an Land und es kam gleich ein Mann an den Strand, der sagte: „Ihr wollt in die Stadt? Ich bin euer Guide und bringe euch hin.“ Also dachten Hagen und ich, dass er von Vanessa geschickt worden war. Er erklärte, dass wir ein kurzes Stück zu Fuß gehen und dann würden wir fahren. Irgendwann kam mir das schon komisch vor. Als ich ihn dann fragte, ob er denn wirklich der Fahrer sei, den Vanessa für uns organisieren wollte, gab er zu, dass er das nicht sei. Aber wir waren schon ein ganzes Stück gegangen und irgendwie fanden Hagen und ich das Gehen auch schön. Wir hatten eine tolle Aussicht auf unsere Bucht und später dann auf der anderen Seite des Berges auf weitere Buchten auf der anderen Seite von oben. Doof nur, dass wir mit FlipFlops unterwegs waren. Sonst hätte es noch mehr Spaß gemacht. Aber weil uns die Bewegung gut gefallen hat, entschieden Hagen und ich, dass wir jetzt einfach mit „unserem Guide“ Alex weiter gehen. Nach ca. 1 Stunde erreichten wir das nächste Dorf. Von dort ging es per Busfahrt weiter bis nach Clifton.

Dort gab es das übliche Einklarierungsprozedere, dann haben wir uns in ein Internetcafe gesetzt und einen leckeren Obst-Smoothie und Wasser getrunken, während Hagen auf dem iPad die Vorhersagen verschiedener Wettermodelle heruntergeladen und per Bildschirmdruck für Berthold gespeichert hat. In unserer Chatham Bay gab es leider keinen Telefon- und Internetempfang. Danach haben wir uns per Bus auf den Rückweg begeben. Der Bus hat uns bis zum Querfeldeintrampelpfad, der den Berg hinunter zu unserer Bucht führte, gebracht. Zurück in der Bucht konnten Hagen und ich von unserem neuen Abenteuer berichten. Wir haben uns ein Essen an Bord zubereitet und den Kurs für den nächsten Tag festgelegt.

Von Union (wie man hier so sagt) aus, sind wir also dann nach Mayreau wieder gefahren. Aber auch diese Strecke waren nur ca. 2 Stunden. Das schafft man auch gegenan immer ganz gut und der Wind wird ganz langsam etwas gnädiger. In Mayreau hatten wir einen schönen Ankerplatz in der Saline Bay gefunden. In unserem Reiseführer steht, dass es dort einen Supermarkt gibt und ein schönes Restaurant. Also gehen wir etwas einkaufen, unsere Vorräte neigen sich dem Ende zu. Leider sind die Supermärkte auf den Inseln nicht ganz so sortiert wie wir es uns vorstellen.

Für den Abend buchen wir uns einen Tisch in einem Restaurant das auch in unserem Reiseführer empfohlen wurde. Es war ganz schön dort bei Dennis. Aber auch nicht so supertoll, dass wir es unbedingt weiterempfehlen würden.

Heute Morgen wurden uns zwei Brote ans Schiff geliefert. Wir hatten am Nachmittag zuvor Brot gekauft, wollten aber noch für die Weiterfahrt Brot an Bord haben. Wir haben den Frühstückstisch gedeckt und Brote geschnitten und gefrühstückt, bis Josephine feststellte, dass ein paar kleine Ameisen über unseren Tisch marschieren. Beim genauen Hinsehen merken wir, dass es sich doch um sehr viele kleine Ameisen handelt und diese auf unseren neuen Broten eingereist sind. Da jeder von uns schon die eine oder andere Scheibe davon gegessen hat, haben wir sicher auch die ein oder andere Ameise verspeist. Die Brote flogen in hohem Bogen ins Meer und wir haben wirklich alles nach den Miniameisen abgesucht und konnten viele vernichten. Ich hoffe, dass wir uns nicht die Pest an Bord geholt haben. Aber es sieht so aus als hätten wir alle erwischt.

Danach ging es Anker auf und weiter nach Canouan. Wieder ca. 1 1/2 Stunden Fahrt. Hier hin Canouan liegen wir an einer Boje vor einem schönen großen Resort. Wir konnten schwimmen und baden. Berthold und ich waren im kleinen Supermarkt und auf dem Vegetable Market einkaufen. Zwei sympathische junge Männer hatten uns kurz vorher einen frischen Thunfisch von ihrem Boot aus verkauft. Den sollte es am Abend gegrillt mit Kartoffel und Salat zum Abendessen geben.

Berthold beschloss, dass unser Gasgrill noch einmal sehr gründliche geputzt werden muss, bevor der Fisch darauf kommt. Also hat er ihn abgebaut und wollte ihn schrubben und plums, weg war er … Es dämmerte schon, aber Berthold konnte ihn noch auf dem Grund in ca. 3,5 m Tiefe liegen sehen. Also, beide Männer nochmal in die Badehose, Berthold guckt wo der Grill liegt und Hagen taucht. Und tatsächlich kommt er mit dem Grill in der Hand nach oben.

Das Abendessen ist gerettet. Es war köstlich. Der Fisch von Grillmaster Berthold perfekt nach den unterschiedlichen Garwünschen gegrillt und der Tomatensalat von Josephine war köstlich, der grüne Salat von mit hat auch allen gut geschmeckt und die Kartoffeln waren Kartoffeln und schmeckten auch so.

Morgen werden wir dann ein längeres Stück bis Bequia zurück fahren und hoffentlich auch einen Teil davon segeln können. Wie es aussieht, wird der Wind zumindest ein bißchen drehen.

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter 07/2014 bis 05/2015 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Union Island, Chatham Bay – Mayreau, Saline Bay – Canouan, Charlestown Bay

  1. Holger Ruhnau schreibt:

    „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ Ihr seid fit für das „Dschungelcamp“!
    Wasserwettpumpen, FlipFlop-Marathon (Querfeldein und auf Distanz), Limbo-Dance-Contest, Ameisen-Ekel-Essen und Extrem-Grillen unter Wasser (so bekommt man einen Grill – und Hagen – natürlich auch sauber) – bei den Aktionen hättet ihr auf RTL bestimmt Top-Quoten.
    Ich warte gespannt auf die nächsten Dschungelprüfungen und werde auf jeden Fall fleißig mitvoten.
    Liebe Grüße,
    euer Holger

    • Sempre due schreibt:

      Auf die eine oder andere Dschungelprüfung könnte ich auch verzichten. Aber so bleibt es spannend und ich wüßte ja sonst bald nicht mehr was ich schreiben soll.

      • Holger Ruhnau schreibt:

        Ursula, deine Berichte sind toll und spannend geschrieben! Ich fiebere immer wieder mit, freue mich über schöne Tage bei euch und habe auch schon mal Fachbegriffe und Orte gegoogelt. (Meine Freundin guckt mir dann über die Schulter und nervt rum, dass sie da auch überall hin will.) Ich bin auf die Fotos gespannt, die du machen willst!
        Und wenn es bei dir dann doch mal langweilig werden sollte, lass Berthold den Grill wieder im Meer reinigen und schubs Hagen ins Wasser, damit er ihn wieder rausholt… 😉

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